Samstag, 25. Oktober 2014

Sommer, Sonne, Strand und Meer

Mein nächster Ausflug führte mich gemeinsam mit Theresa nach Izmir, die drittgrößte Stadt der Türkei. Durch den nationalen Feiertag für das Opferfest Bayram hatten wir über eine Woche lang keine Veranstaltungen in der Uni und beschlossen einen anderen Teil der Türkei zu erkunden.

Es begann mit einer Busfahrt, die nah an Bolivien rankam. Wir waren zwar nur ungefähr 10 Stunden unterwegs, dafür allerdings tagsüber, weil es nachts keine freien Plätze mehr gab und die Pausen, die wir gemacht haben waren einfach viel zu viele und zu lang, sodass sich die Fahrt sehr lange hinzog. In Izmir mussten wir dann ein Shuttle-Taxi nehmen, dass uns jedoch leider nicht an der erwarteten Ecke rausließ, also lernten wir Izmir bei einem langen Fußmarsch zu unserem Hostel schon einmal bei nächtlichem Licht kennen. Im Hostel wurden wir aber auch so spät noch herzlich willkommen geheißen und konnten uns schließlich in unsere Betten kuscheln.

Die Tage in Izmir, haben wir viel an der Küstenlinie an der Izmir-Bucht verbracht, die mit Fußweg, Fahrradweg, Laufstrecke und Grünstreifen sehr schön ausgebaut ist und viele Izmiraner sowie Besucher anzieht. Sonst haben wir uns natürlich die in unserer Karte groß eingezeichneten Sehenswürdigkeiten angesehen. Agora hat uns beide nicht sonderlich überzeugt und wir haben uns den Eintritt von 5 Lira gespart, denn die herumliegenden Säulen und Mauerbruchstücke konnten wir auch durch den Zaun ansehen. Kadifekale war da schon interessanter. Nach einem wunderschönen, absolut nicht-touristischen Spaziergang durch ein armes aber sehr familiäres und ruhiges Viertel kamen wir zu den Burgresten auf dem vielleicht höchsten Punkt Izmirs an. Wir hatten eine fantastische Aussicht auf die ganze Stadt, wie sie sich um die Bucht herum schmiegt und konnten auch noch ein bisschen auf den Mauern herum klettern. Der Asansör gefiel uns auch sehr gut. Es ist ein alter Fahrstuhlturm mitten in einem Wohnviertel, der damals gebaut wurde um den Bewohnern oben den langen Treppenaufstieg zu ersparen. Das Gebäude ist alt, der Fahrstuhl an sich neu, aber von der Terrasse oben hat man ohne Zweifel einen schönen Blick in die Bucht. An unserem letzten Tag in der sehr touristischen Stadt haben wir uns dann schließlich mit einigen Schwierigkeiten zwei Fahrräder an den vollautomatisierten (da lag das Problem) Stationen geliehen uns sind die Küstenstrecke entlanggeradelt.

Agora, mitten in der Stadt



Der steile Weg hinauf auf den Berg...


...um dann von Kadifekale diesen Blick zu genießen




Der Asansör

Unmissverständliches Zeichen, dass dort der Fahrradweg vorbei war

Aber wir haben Izmir zwischendurch auch verlassen. Unsere erste kleine Reise ging zwei Tage nach Çeşme, einem Ferienort am Mittelmeer. Da die Hauptsaison aber schon vorbei ist und es ja auch nicht die Hauptregion für Touristen ist, war es sehr angenehm. Am ersten, leicht kühlen und bewölkten Tag, sind wir einmal ins nicht ganz so kalte Wasser gesprungen, sind ein bisschen geschwommen – scheinbar tut man das in allen anderen Meeren als der Nordsee, bei der man sich eigentlich nur in die Wellen schmeißt – und haben uns dann schnell wieder aufgewärmt. Am nächsten Tag hatten wir fantastisches Wetter und haben zu allem Überfluss auch noch heiße Quellen im Meer in der Nähe eines kleinen Hafens gefunden. Bei einer Wassertemperatur von ungefähr 50 Grad fällt es einem auch tatsächlich nicht schwer ins Wasser zu kommen, der anschließende Schwimmzug ins normal kalte Meerwasser, war dann jedoch ein umso größerer Schock. Çeşme war insgesamt auf jeden Fall ein schöner Strandurlaub.

Strand von Çeşme


Die heißen Quellen


Dann ließen wir es uns natürlich nicht nehmen noch einen Tagesausflug nach Efes zu machen, wo die frühere Hafenstadt der Griechen zu einem kleinen Teil ausgegraben wurde – kleiner Teil heißt hier 10% von einer Millionenstadt, also durchaus ganz schön viele Ruinen zu sehen. Teilweise sehr gut erhaltene Mauern und Säulen warteten auf uns und man konnte überall direkt dran, sie anfassen oder auf ihnen herumklettern. Es war ein beeindruckender Spaziergang durch die Geschichte.

Einer der am besten erhaltenen Teile Efes'


Schönstes Wetter in der alten Hafenstadt


Und unser letzter Ausflug ging nach Foça. Das ist eine kleine und touristische Fischerstadt. Ebenfalls wieder außerhalb der Hauptsaison konnten wir entspannt durch die Gassen und am Meer entlang schlendern und einfach die Nähe zum Meer genießen. Fischbrötchen gab es dort an jeder Ecke und das Wappen von Foça (eine Robbe über Wellen) erinnerte mich sehr stark an die Nordsee.

Warmer Küstenwind

Wappen von Foça


Und dann ging es mit dem Flugzeug zurück nach Istanbul, wo ich erst einmal meine in Efes eingefangenen Hornissenstiche auskurieren musste.
 

Meeresgrüße

Lisi

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Karadeniz

Neulich habe ich noch einen Tagesausflug an das schwarze Meer gemacht. Mit ein paar Erasmus-Studenten einer anderen Uni habe ich mich auf der europäischen Seite getroffen, es waren alles Deutsche und ein Türke, der Ahnung hatte welche Busse wir nehmen mussten. 

Der erste Blick aufs Meer
Nach einer ungefähr anderthalb Stunden langer Busfahrt mit einem Zwischenstopp, den wir uns mit Börek (türkisches gefülltes Blätterteig-Gebäck) versüßt haben, kamen wir in einem kleinen Ort an der Küste an. Bis dahin hatten wir nicht das Gefühl die Stadt Istanbul verlassen zu haben. Sie ist einfach so groß, dass man stundenlang in eine Richtung fahren kann, ohne sie zu verlassen.

Unser Platz am Meer
Nach einem kurzen Fußmarsch gelangten wir an einen kleinen schönen Strandabschnitt, warfen die Klamotten von uns und sprangen ins angenehme Nass. Zuerst war es überraschend kühl, doch mit der Sonne war uns ein Glück nicht wirklich kalt und in der Sonne konnten wir gut trocknen.

Strand und Steilküste
Für mich war es nach der Nordsee das erste Meer, in dem ich geschwommen bin – und es ist vollkommen anders. Keinerlei Wellen, kaum Wind und die Wassertemperatur war ungewöhnlich warm für meine Erwartungen. Wenn wir und auch nicht in die Wellen schmeißen konnten, so konnte man dennoch angenehm schwimmen und das Wasser war so unglaublich klar, dass wir sehr sehr lange auch noch den Boden sehen konnten.

Kaum Wellen zu sehen
Auf dem Rückweg habe ich versucht mit in einem kleinen Bistro statt eines Fischbrötchens einfach ein Brötchen mit etwas Salat drin zu bestellen. Es hat nicht geklappt. Ich bekam einen kleinen Salatteller mit viel zu viel Dill und ein paar Scheiben Weißbrot dazu, während die anderen herzhaft in ihre Fischbrötchen bissen. Für die Rückfahrt hat es trotzdem meinen Magen einigermaßen befriedigt.

Salzwasser-Grüße
Lisi

Kediköy


Ich wohne schon seit einiger Zeit nicht mehr im Hostel, genau genommen seit zwei Wochen, deshalb wird es nun wirklich Zeit, dass ich euch von meinem Umzug berichte.

Der Schlafsaal im Hostel
Die ersten zwei Wochen meines Semesters in Istanbul hatte ich mich in einem 10er Schlafsaal in einem Hostel eingemietet. Es liegt in der Nähe des vermutlich allseits bekannten Taksim-Platzes. Da der Taksim-Platz sehr hoch gelegen ist, ging es für mich immer viel bergauf und -ab und weil es die beiden Wochen auch noch sehr sommerlich heiß war, half Deo auch nicht sonderlich viel.
Seit ich dann aber hier war und jeden Tag beinahe eine Stunde lang zur Uni fahren musste, weil ich ja auch noch auf der europäischen Seite wohnte, während meine Uni auf der asiatischen liegt, war schnell klar, dass ich auf jeden Fall auf die andere Seite muss, bevorzugt in den Stadtteil Kadiköy und am besten noch in die schöne Ecke der Moda Caddesi (Straße).
Nach einigen Wohnungsbesichtigungen, fand ich eine sehr schöne, absolut perfekt gelegene, in der Suzan ein Zimmer frei hatte. Wir verblieben so, dass sie mir abends Bescheid geben wollte und prompt bekam ich abends eine Mail, dass ich morgen einziehen könnte. Also hieß es am nächsten morgen Koffer packen.

Das Wohnzimmer/Suzans Zimmer
Die Küche
Das Badezimmer
Theresa holte mich nachmittags am Hostel ab, da mein Ziehkoffer nicht mehr ziehbar war, nachdem der Griff abgebrochen war und er doch sehr schwer zu tragen war. Ausgerechnet an dem Tag schüttete es natürlich auch noch, sodass der Weg vom Hostel zu meiner neuen Wohnung lang, nass und extrem anstrengend war. Mehr muss ich dazu nicht sagen.
Nun wohne ich mit Suzan (Türkin) und Melli (Deutsche) in einer kleinen Wohnung im zweiten Stock. Wir haben ein kleines Badezimmer, eine noch kleinere Küche – aber beides mit Fenster – ein Wohnzimmer, was aber auch gleichzeitig Suzans Schlafzimmer ist und deshalb wenig von Melli und mir genutzt wird, einen Flur und Mellis und mein Zimmer. Die Besonderheit an meinem Zimmer ist eine Art kleiner Wintergarten, in dem mein Schreibtisch steht. Von dort aus kann ich in den grünen Innenhof schauen und werde morgens vom Vogelgezwitscher geweckt. Perfekt um dem Stadtlärm und der Hektik mal zu entfliehen. Auch ein Zimmer für mich allein zu haben, trägt viel zu meinem Wohlbefinden bei.

Mein Zimmer
Mein Schreibtisch im "Wintergarten"
Die Moda Caddesi ist eine Straße mit vielen Cafés und Bars, kleinen und alternativen Läden. Und sie führt direkt hinunter in den Moda Park, wo man sich in grüner Umgebung schön an die Mittelmeerküste setzen kann. Kein Strand, aber trotzdem angenehme Meeresluft.
Der Stadtteil ist zudem übervölkert von Katzen. Sie sind überall. Ich glaube, dass es auch mehr Katzen als Einwohner hier gibt. Ich habe wahrscheinlich eine der wenigen Wohnungen gefunden, in denen noch keine Katze wohnt. Deshalb nenne ich Kadiköy auch in Gedanken liebevoll Kediköy, denn kedi ist das türkische Wort für Katze.

Kediler - werden an jeder Ecke fleißig gefüttert
Von hier aus bin ich in fünf Minuten am Hafen, falls ich mal wieder auf die europäische Seite fahren will, und in ca. 10 Minuten an der Bushaltestelle, wo die Busse zu meiner Uni abfahren. Dorthin brauche ich nun je nach Verkehrslage noch 30-45 Minuten.
Jetzt habe ich auch das Gefühl wirklich angekommen zu sein und auch länger zu bleiben, als die Touristen und Backpacker im Hostel, die alle nach maximal zwei Nächten wieder auszogen. Ich habe direkt unter meiner Wohnung einen Kiosk, eine Ecke weiter einen Gemüsehändler, drei Ecken weiter einen Supermarkt und dort gegenüber einen Bäcker. Somit habe ich hier alles, was ich brauche.

Der Blick, wenn ich zu meiner Wohnung gehe: Bosporus und Moschee
Heimische Grüße
Lisi