Montag, 24. November 2014

Kapadokya - Feenschornsteine


Einige werden den Namen tatsächlich schon einmal gehört oder gelesen haben. Es ist der Name einiger türkischer Restaurants in Deutschland. Doch dahinter steckt noch viel mehr.

Gemeinsam mit vielen Erasmus-Studenten und Organisatoren des Erasmus Students Networks (ESN) machte ich mich im Bus auf eine ungefähr zehn-stündige Busfahrt auf in die Mitte der Türkei. Im Gegensatz zu Deutschland kann man hier nämlich viele, viele Stunden durchs Land fahren ohne eine Grenze zu erreichen. Zudem fiel auf, dass es deutlich spärlicher besiedelt ist, als in Deutschland, sodass wir zwischendurch wunderschön leere Landschaften zu bewundern hatten.

Unser erster Busstopp war früh morgens an einem großen Salzsee. Im Gegensatz zum Salar de Uyuni in Bolivien ist er erstens viel kleiner, zweitens aber nicht ausgetrocknet, also tatsächlich noch als See zu erkennen. Neben einem kargen Frühstück und eisigem Wind war die schöne Erfahrung, dass auch dort das Wasser nach Salz schmeckt. Und viel Salz, dass man in der Türkei kaufen kann, wird auch wirklich aus diesem See gewonnen.

Der Salzsee
Rein in den Bus, die Fahrt geht weiter. Bei unserem nächsten Stopp waren wir dann schon in der Landschaft angelangt, die man Kapadokya nennt. Dort erhoben sich aus einem weitläufigen und steilen Tal hohe, schmale Zipfel aus Gestein. Die Einheimischen nennen sie auch Feenschornsteine. In diese Felsen hinein wurden vor vielen Jahren Höhlen und Wohnräume geschlagen, von denen man heute noch Fenster und Türen als Löcher in den Steinzipfeln sehen konnte. Weiter hinten konnten wir ein Dorf sehen, dass sich an die Steinzipfel schmiegte und teilweise wurden auch noch Hotels in die alten Höhlen gebaut. Trotz der Kälte hätte ich große Lust gehabt unten in das Tal zu klettern und dort ein wenig zwischen den hoch aufragenden Gesteinsformationen entlangzuwandern und diese Laune der Natur einfach zu genießen, aber ich war ja mit einer Gruppe unterwegs.

Eine Felsenburg
Kapadokyas Feenschornsteine
Rein in den Bus, die Fahrt geht weiter. Nächster Stopp war das Open-Air-Museum wo wir in einige der Höhlen hinein durften und zudem viele kleine Kapellen und Kirchen bewundern konnten. Eine reihte sich an die nächste, sodass in einem kleinen Bereich um die sieben Kirchen zu besuchen waren. Spannender als in den Höhlen zu sein, in denen es meist nicht als dunkle Wände zu bewundern galt, war es für mich die Berge von außen zu betrachten und mir vorzustellen, wie man dort früher Menschen in den Fenster gesehen haben konnte.

Open-Air Museum

Eine der Kirchen, hineingeschlagen in den Felsen
Rein in den Bus, die Fahrt geht weiter. Nach einem schmackhaften Mittagessen – solange man nicht nur Salat bekam, weil man kein Fleisch essen wollte – besuchten wir eine Töpferei, von denen es in Kapadokya sehr viele gibt. In einer kurzen Vorführung wurde uns gezeigt, wie man aus einem Klumpen Ton ein perfekt geformtes Döschen mit Deckel hinbekommt, dann wurden uns einige der Bemalungen erklärt und schließlich durften wir in den großen Verkaufsraum und Geld ausgeben.

Keramik in allen Formen und Farben
Rein in den Bus, die Fahrt geht weiter. Endlich einmal ins Hotel. Duschen, im kleinen Schwimmbad ein paar Bahnen schwimmen um den Körper vom langen Sitzen zu entlasten, Abendessen und dann eigentlich auch schon wieder in den Bus auf zur türkischen Nacht. Alkohol so viel wir wollten gegen einen dafür geringen Preis, wenn man bedenkt, dass Alkohol in der Türkei sehr teuer ist. Die Hauptsache war aber die Tanzgruppe, die uns typische türkische Tänze in den dazu passenden traditionellen Kleidern vorgeführt hat. Es war sehr schön anzusehen und als die Solo-Bauchtänzerin dann auch noch Leute aus dem Publikum dazu holte, wurde es auch sehr schnell extrem amüsant. 

Die Tanzgruppe
Am nächsten Morgen hatten wir von unserem Hotel aus, das mitten im Nichts lag, einen fantastischen Blick auf die Landschaft. Es folgte ein ausgedehntes Frühstück und dann wieder: Rein in den Bus, die Fahrt geht von neuem los. Wir sind in ein Dorf gefahren, in dem eine der dort häufigen Untergrundstädte zu besichtigen war. Als dort Krieg herrschte, haben sich die Menschen unterirdisch versteckt und dort lange überleben können, da es große Lagerräume gab. Zur Verteidigung gegen eindringende Feinde, waren die Gänge extrem eng und niedrig gebaut, sodass man kaum Platz zum Kämpfen hatte und die Verteidiger keine überwältigende Masse gegen sich hatte. Die Lagerräume werden auch heute noch genutzt, da dort unter der Erde das ganze Jahr über 12 Grad Celsius herrschen. Ich empfand es jedoch hauptsächlich als sehr beengend und etwas unheimlich.

Ausblick von unserem Balkon aus

Untergrundstadt - man konnte kaum aufrecht stehen
Rein in den Bus, die Fahrt geht weiter. Weinprobe. Hauptsächlich, weil die ESNler Wein kaufen wollten.

Rein in den Bus, die Fahrt geht weiter. Pilzsteine. Eine Ansammlung von hoch aufragenden Felssäulen, die laut unserem Guide aussehen wie Pilze, nach unserer Ansicht auch noch wie etwas anderes. Da schlug bei mir der Schlafmangel der letzten Nacht zu, sodass ich den Bus verlassen, mir die Felsen angeguckt habe und dann schnell wieder rein ins Warme gegangen bin, ohne diese Laune der Natur wirklich genießen zu können.

"Pilz"-Felsen
Rein in den Bus, die Fahrt geht weiter. Schmuckfabrik. Dort wurde uns ebenfalls wieder gezeigt, wie dort aus Speckstein Schmuck und andere Gegenstände hergestellt werden. Da war jedoch recht uninteressant, bedenkt man meine Müdigkeit. Der Schluss war natürlich wieder der Verkaufsraum.

Perlen an Perlen an Perlen
Rein in den Bus, die Fahrt geht weiter. Besichtigung eines Museums / einer Moschee, einer Untergruppe des Islams, zu der vor allem viele in Deutschland lebende Türken gehören. Ich kann mich nicht an den Namen erinnern. Ich bin durch alle Räume einmal durchgeschlendert, habe aber auch dort kaum etwas behalten können.

Rein in den Bus, die Fahrt geht nach Hause.
Kapadokya ist eine wirklich faszinierende Landschaft, die man unbedingt einmal gesehen haben sollte, vielleicht jedoch ohne so eine extrem touristische Aufmachung, sondern sich einfach auf die Landschaft einlassen und sie bewundern.

Mal wieder wenig aufrecht stehen im Open-Air Museum

Viele Grüße 
Lisi