Freitag, 12. Dezember 2014

Planlos durch Bursa


Um euch vor Weihnachten noch auf den neuesten Stand zu bringen, werde ich noch über meine kleinen Ausflüge nach Bursa und Antalya berichten.
Mit dem Bus machte ich mich in kleiner, netter, rein weiblicher Erasmusgruppe auf den verhältnismäßig kurzen Weg nach Bursa. Wir hatten alle keine Pläne, was wir dort machen könnten, das einzige, von dem ich schon einmal gehört hatte, aber auch nicht wirklich Bescheid wusste, war eine wohl sehr lange Seilbahn. Also erkoren wir das zu unserem ersten Ziel aus und fragten uns mit den paar türkischen Worten, die wir konnten zu der Station durch. Nach Bus und Taksi gelangten wir dort an. Unser Ziel war es dann, mit der Seilbahn in den Nationalpark hinein zu fahren, zu einem Camp von dem wir gehört hatten. Dort war der Plan eine Hütte als Unterkunft zu mieten und die nächsten zwei Tage wandernd im Wald zu verbringen, so hatten wir uns das gedacht.
Die Wahrheit sah aber etwas anders aus. Erstmal war das Wetter wirklich miserabel. Es war kalt, abwechselnd regnerisch und neblig und einfach grusselig. Zudem hatten wir alle nicht die beste Ausstattung an Kleidung und Schuhen um dieses Wetter in der Natur zu überstehen. Trotzdem nahmen wir erstmal die Seilbahn. Sehen konnten wir leider absolut gar nichts, denn die Scheiben waren beschlagen und draußen war einfach nur grauer Nebel (oder auch Wolken), der uns den Blick auf die Stadt hinunter und den schönen Herbstwald um uns herum versperrte. Es war eine lange Fahrt, da die Seilbahn etwa fünf Kilometer in den Uludag Nationalpark hineinführt. 

Seilbahn und Nebel, Nebel, Nebel
Wir stiegen aus und uns erwartete nur noch mehr kalter Nebel. Wir versuchten den drei Menschen die dort oben bei den Minibussen standen klar zu machen, dass wir zum Sarialan Camp wollten und sie bedeuteten uns einzusteigen, was wir dann auch taten, obwohl sie Seilbahnstation eigentlich schon Sarialan hieß. Wir fuhren sieben Kilometer, was eindeutig zu weit war für das Camp. Und dann hielten wir bei einer großen Ansammlung von Hotelklotz neben Hotelklotz. Alles sah ziemlich geschlossen und verlassen aus. Kein Laden, kein Restaurant, nur noch ein Skilift, der weiter den Berg hinaufführte. Von unseren Mitfahrern konnten wir dann halb auf türkisch, halb auf englisch erfahren, dass das Camp nur im Sommer geöffnet hat und die Hotel, bei denen wir angekommen waren, nur im Winter. Oktober war offensichtlich keins von beiden, denn es war einfach alles geschlossen. Wir nahmen also den Bus zurück zur Seilbahn und die Seilbahn zurück nach Bursa. Auf der Rückfahrt hatten wir dann noch einen abrupten Stopp, sodass die Kabine extrem unangenehm und Übelkeit erregend anfing zu schaukeln und wir dank des Nebels weiterhin nichts sehen konnten und uns dadurch doch leicht unwohl fühlten.

Der Skilift weiter in die Wolken hinein
In Bursa angekommen waren wir nass und durchgefroren und beschlossen, dass das genug Natur und Nationalpark für uns war. Wir beschlossen in der Stadt an sich zu bleiben und am nächsten Tag abends zurückzufahren. Erstmal wanderten wir noch durch die bergige Stadt abwärts um im Zentrum ein warmes Cafe zu finden, wo wir unseren Hunger stillen konnten und noch auf eine Nachzüglerin aus Istanbul warteten. Dann ging der Weg weiter auf der Suche nach einer Unterkunft, die aber schnell gefunden war.
Der nächste Tag gestaltete sich etwas erfolgreicher, denn wir wollten nun doch die Sehenswürdigkeiten von Bursa erkunden. Zuerst schlenderten wir zum Basar und der großen Moschee, wo wir noch das Ende des Gebetes mitbekommen durften. Danach wollten wir zur grünen Moschee (die wichtigste Sehenswürdigkeit Bursas) und begegneten dabei zufällig einem netten, gut englisch sprechenden Türken, der zusätzlich noch die Moschee restaurierte und uns anbot uns dazu ein bisschen was zu erzählen. Wir erhielten eine außergewöhnliche Führung mit versteckten Einzelheiten der Moschee, der Brunnen und das Licht wurden für uns eingeschaltet und wir konnten alles fragen, was wir wollten, sodass wir anstatt nur bewundernd zu schauen endlich verstanden, warum es diese Nischen, den Brunnen und den grünen Teppich gibt. Danach erfuhren wir noch die weit bekannte türkische Gastfreundlichkeit, als er uns auf einen Tee in sein Geschäft einlud. Natürlich gingen wir nachher alle nicht ohne etwas gekauft zu haben von dannen und waren voller positiver Energie nach dieser schönen Erfahrung. 

Der Basar von Bursa  

Die große Moschee mit Brunnen für die Fußwaschung

Die grüne Moschee

Mit unserem Begleiter vor der von ihm restaurierten Fliesenwand
Beim Teetrinken im Teppichverkaufsladen
Es folgte noch ein weiteres Abendessen in der sehr schönen, ruhigen Stadt Bursa und anschließend eine lustige Busfahrt wieder zurück nach Istanbul.


Montag, 24. November 2014

Kapadokya - Feenschornsteine


Einige werden den Namen tatsächlich schon einmal gehört oder gelesen haben. Es ist der Name einiger türkischer Restaurants in Deutschland. Doch dahinter steckt noch viel mehr.

Gemeinsam mit vielen Erasmus-Studenten und Organisatoren des Erasmus Students Networks (ESN) machte ich mich im Bus auf eine ungefähr zehn-stündige Busfahrt auf in die Mitte der Türkei. Im Gegensatz zu Deutschland kann man hier nämlich viele, viele Stunden durchs Land fahren ohne eine Grenze zu erreichen. Zudem fiel auf, dass es deutlich spärlicher besiedelt ist, als in Deutschland, sodass wir zwischendurch wunderschön leere Landschaften zu bewundern hatten.

Unser erster Busstopp war früh morgens an einem großen Salzsee. Im Gegensatz zum Salar de Uyuni in Bolivien ist er erstens viel kleiner, zweitens aber nicht ausgetrocknet, also tatsächlich noch als See zu erkennen. Neben einem kargen Frühstück und eisigem Wind war die schöne Erfahrung, dass auch dort das Wasser nach Salz schmeckt. Und viel Salz, dass man in der Türkei kaufen kann, wird auch wirklich aus diesem See gewonnen.

Der Salzsee
Rein in den Bus, die Fahrt geht weiter. Bei unserem nächsten Stopp waren wir dann schon in der Landschaft angelangt, die man Kapadokya nennt. Dort erhoben sich aus einem weitläufigen und steilen Tal hohe, schmale Zipfel aus Gestein. Die Einheimischen nennen sie auch Feenschornsteine. In diese Felsen hinein wurden vor vielen Jahren Höhlen und Wohnräume geschlagen, von denen man heute noch Fenster und Türen als Löcher in den Steinzipfeln sehen konnte. Weiter hinten konnten wir ein Dorf sehen, dass sich an die Steinzipfel schmiegte und teilweise wurden auch noch Hotels in die alten Höhlen gebaut. Trotz der Kälte hätte ich große Lust gehabt unten in das Tal zu klettern und dort ein wenig zwischen den hoch aufragenden Gesteinsformationen entlangzuwandern und diese Laune der Natur einfach zu genießen, aber ich war ja mit einer Gruppe unterwegs.

Eine Felsenburg
Kapadokyas Feenschornsteine
Rein in den Bus, die Fahrt geht weiter. Nächster Stopp war das Open-Air-Museum wo wir in einige der Höhlen hinein durften und zudem viele kleine Kapellen und Kirchen bewundern konnten. Eine reihte sich an die nächste, sodass in einem kleinen Bereich um die sieben Kirchen zu besuchen waren. Spannender als in den Höhlen zu sein, in denen es meist nicht als dunkle Wände zu bewundern galt, war es für mich die Berge von außen zu betrachten und mir vorzustellen, wie man dort früher Menschen in den Fenster gesehen haben konnte.

Open-Air Museum

Eine der Kirchen, hineingeschlagen in den Felsen
Rein in den Bus, die Fahrt geht weiter. Nach einem schmackhaften Mittagessen – solange man nicht nur Salat bekam, weil man kein Fleisch essen wollte – besuchten wir eine Töpferei, von denen es in Kapadokya sehr viele gibt. In einer kurzen Vorführung wurde uns gezeigt, wie man aus einem Klumpen Ton ein perfekt geformtes Döschen mit Deckel hinbekommt, dann wurden uns einige der Bemalungen erklärt und schließlich durften wir in den großen Verkaufsraum und Geld ausgeben.

Keramik in allen Formen und Farben
Rein in den Bus, die Fahrt geht weiter. Endlich einmal ins Hotel. Duschen, im kleinen Schwimmbad ein paar Bahnen schwimmen um den Körper vom langen Sitzen zu entlasten, Abendessen und dann eigentlich auch schon wieder in den Bus auf zur türkischen Nacht. Alkohol so viel wir wollten gegen einen dafür geringen Preis, wenn man bedenkt, dass Alkohol in der Türkei sehr teuer ist. Die Hauptsache war aber die Tanzgruppe, die uns typische türkische Tänze in den dazu passenden traditionellen Kleidern vorgeführt hat. Es war sehr schön anzusehen und als die Solo-Bauchtänzerin dann auch noch Leute aus dem Publikum dazu holte, wurde es auch sehr schnell extrem amüsant. 

Die Tanzgruppe
Am nächsten Morgen hatten wir von unserem Hotel aus, das mitten im Nichts lag, einen fantastischen Blick auf die Landschaft. Es folgte ein ausgedehntes Frühstück und dann wieder: Rein in den Bus, die Fahrt geht von neuem los. Wir sind in ein Dorf gefahren, in dem eine der dort häufigen Untergrundstädte zu besichtigen war. Als dort Krieg herrschte, haben sich die Menschen unterirdisch versteckt und dort lange überleben können, da es große Lagerräume gab. Zur Verteidigung gegen eindringende Feinde, waren die Gänge extrem eng und niedrig gebaut, sodass man kaum Platz zum Kämpfen hatte und die Verteidiger keine überwältigende Masse gegen sich hatte. Die Lagerräume werden auch heute noch genutzt, da dort unter der Erde das ganze Jahr über 12 Grad Celsius herrschen. Ich empfand es jedoch hauptsächlich als sehr beengend und etwas unheimlich.

Ausblick von unserem Balkon aus

Untergrundstadt - man konnte kaum aufrecht stehen
Rein in den Bus, die Fahrt geht weiter. Weinprobe. Hauptsächlich, weil die ESNler Wein kaufen wollten.

Rein in den Bus, die Fahrt geht weiter. Pilzsteine. Eine Ansammlung von hoch aufragenden Felssäulen, die laut unserem Guide aussehen wie Pilze, nach unserer Ansicht auch noch wie etwas anderes. Da schlug bei mir der Schlafmangel der letzten Nacht zu, sodass ich den Bus verlassen, mir die Felsen angeguckt habe und dann schnell wieder rein ins Warme gegangen bin, ohne diese Laune der Natur wirklich genießen zu können.

"Pilz"-Felsen
Rein in den Bus, die Fahrt geht weiter. Schmuckfabrik. Dort wurde uns ebenfalls wieder gezeigt, wie dort aus Speckstein Schmuck und andere Gegenstände hergestellt werden. Da war jedoch recht uninteressant, bedenkt man meine Müdigkeit. Der Schluss war natürlich wieder der Verkaufsraum.

Perlen an Perlen an Perlen
Rein in den Bus, die Fahrt geht weiter. Besichtigung eines Museums / einer Moschee, einer Untergruppe des Islams, zu der vor allem viele in Deutschland lebende Türken gehören. Ich kann mich nicht an den Namen erinnern. Ich bin durch alle Räume einmal durchgeschlendert, habe aber auch dort kaum etwas behalten können.

Rein in den Bus, die Fahrt geht nach Hause.
Kapadokya ist eine wirklich faszinierende Landschaft, die man unbedingt einmal gesehen haben sollte, vielleicht jedoch ohne so eine extrem touristische Aufmachung, sondern sich einfach auf die Landschaft einlassen und sie bewundern.

Mal wieder wenig aufrecht stehen im Open-Air Museum

Viele Grüße 
Lisi

Samstag, 25. Oktober 2014

Sommer, Sonne, Strand und Meer

Mein nächster Ausflug führte mich gemeinsam mit Theresa nach Izmir, die drittgrößte Stadt der Türkei. Durch den nationalen Feiertag für das Opferfest Bayram hatten wir über eine Woche lang keine Veranstaltungen in der Uni und beschlossen einen anderen Teil der Türkei zu erkunden.

Es begann mit einer Busfahrt, die nah an Bolivien rankam. Wir waren zwar nur ungefähr 10 Stunden unterwegs, dafür allerdings tagsüber, weil es nachts keine freien Plätze mehr gab und die Pausen, die wir gemacht haben waren einfach viel zu viele und zu lang, sodass sich die Fahrt sehr lange hinzog. In Izmir mussten wir dann ein Shuttle-Taxi nehmen, dass uns jedoch leider nicht an der erwarteten Ecke rausließ, also lernten wir Izmir bei einem langen Fußmarsch zu unserem Hostel schon einmal bei nächtlichem Licht kennen. Im Hostel wurden wir aber auch so spät noch herzlich willkommen geheißen und konnten uns schließlich in unsere Betten kuscheln.

Die Tage in Izmir, haben wir viel an der Küstenlinie an der Izmir-Bucht verbracht, die mit Fußweg, Fahrradweg, Laufstrecke und Grünstreifen sehr schön ausgebaut ist und viele Izmiraner sowie Besucher anzieht. Sonst haben wir uns natürlich die in unserer Karte groß eingezeichneten Sehenswürdigkeiten angesehen. Agora hat uns beide nicht sonderlich überzeugt und wir haben uns den Eintritt von 5 Lira gespart, denn die herumliegenden Säulen und Mauerbruchstücke konnten wir auch durch den Zaun ansehen. Kadifekale war da schon interessanter. Nach einem wunderschönen, absolut nicht-touristischen Spaziergang durch ein armes aber sehr familiäres und ruhiges Viertel kamen wir zu den Burgresten auf dem vielleicht höchsten Punkt Izmirs an. Wir hatten eine fantastische Aussicht auf die ganze Stadt, wie sie sich um die Bucht herum schmiegt und konnten auch noch ein bisschen auf den Mauern herum klettern. Der Asansör gefiel uns auch sehr gut. Es ist ein alter Fahrstuhlturm mitten in einem Wohnviertel, der damals gebaut wurde um den Bewohnern oben den langen Treppenaufstieg zu ersparen. Das Gebäude ist alt, der Fahrstuhl an sich neu, aber von der Terrasse oben hat man ohne Zweifel einen schönen Blick in die Bucht. An unserem letzten Tag in der sehr touristischen Stadt haben wir uns dann schließlich mit einigen Schwierigkeiten zwei Fahrräder an den vollautomatisierten (da lag das Problem) Stationen geliehen uns sind die Küstenstrecke entlanggeradelt.

Agora, mitten in der Stadt



Der steile Weg hinauf auf den Berg...


...um dann von Kadifekale diesen Blick zu genießen




Der Asansör

Unmissverständliches Zeichen, dass dort der Fahrradweg vorbei war

Aber wir haben Izmir zwischendurch auch verlassen. Unsere erste kleine Reise ging zwei Tage nach Çeşme, einem Ferienort am Mittelmeer. Da die Hauptsaison aber schon vorbei ist und es ja auch nicht die Hauptregion für Touristen ist, war es sehr angenehm. Am ersten, leicht kühlen und bewölkten Tag, sind wir einmal ins nicht ganz so kalte Wasser gesprungen, sind ein bisschen geschwommen – scheinbar tut man das in allen anderen Meeren als der Nordsee, bei der man sich eigentlich nur in die Wellen schmeißt – und haben uns dann schnell wieder aufgewärmt. Am nächsten Tag hatten wir fantastisches Wetter und haben zu allem Überfluss auch noch heiße Quellen im Meer in der Nähe eines kleinen Hafens gefunden. Bei einer Wassertemperatur von ungefähr 50 Grad fällt es einem auch tatsächlich nicht schwer ins Wasser zu kommen, der anschließende Schwimmzug ins normal kalte Meerwasser, war dann jedoch ein umso größerer Schock. Çeşme war insgesamt auf jeden Fall ein schöner Strandurlaub.

Strand von Çeşme


Die heißen Quellen


Dann ließen wir es uns natürlich nicht nehmen noch einen Tagesausflug nach Efes zu machen, wo die frühere Hafenstadt der Griechen zu einem kleinen Teil ausgegraben wurde – kleiner Teil heißt hier 10% von einer Millionenstadt, also durchaus ganz schön viele Ruinen zu sehen. Teilweise sehr gut erhaltene Mauern und Säulen warteten auf uns und man konnte überall direkt dran, sie anfassen oder auf ihnen herumklettern. Es war ein beeindruckender Spaziergang durch die Geschichte.

Einer der am besten erhaltenen Teile Efes'


Schönstes Wetter in der alten Hafenstadt


Und unser letzter Ausflug ging nach Foça. Das ist eine kleine und touristische Fischerstadt. Ebenfalls wieder außerhalb der Hauptsaison konnten wir entspannt durch die Gassen und am Meer entlang schlendern und einfach die Nähe zum Meer genießen. Fischbrötchen gab es dort an jeder Ecke und das Wappen von Foça (eine Robbe über Wellen) erinnerte mich sehr stark an die Nordsee.

Warmer Küstenwind

Wappen von Foça


Und dann ging es mit dem Flugzeug zurück nach Istanbul, wo ich erst einmal meine in Efes eingefangenen Hornissenstiche auskurieren musste.
 

Meeresgrüße

Lisi

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Karadeniz

Neulich habe ich noch einen Tagesausflug an das schwarze Meer gemacht. Mit ein paar Erasmus-Studenten einer anderen Uni habe ich mich auf der europäischen Seite getroffen, es waren alles Deutsche und ein Türke, der Ahnung hatte welche Busse wir nehmen mussten. 

Der erste Blick aufs Meer
Nach einer ungefähr anderthalb Stunden langer Busfahrt mit einem Zwischenstopp, den wir uns mit Börek (türkisches gefülltes Blätterteig-Gebäck) versüßt haben, kamen wir in einem kleinen Ort an der Küste an. Bis dahin hatten wir nicht das Gefühl die Stadt Istanbul verlassen zu haben. Sie ist einfach so groß, dass man stundenlang in eine Richtung fahren kann, ohne sie zu verlassen.

Unser Platz am Meer
Nach einem kurzen Fußmarsch gelangten wir an einen kleinen schönen Strandabschnitt, warfen die Klamotten von uns und sprangen ins angenehme Nass. Zuerst war es überraschend kühl, doch mit der Sonne war uns ein Glück nicht wirklich kalt und in der Sonne konnten wir gut trocknen.

Strand und Steilküste
Für mich war es nach der Nordsee das erste Meer, in dem ich geschwommen bin – und es ist vollkommen anders. Keinerlei Wellen, kaum Wind und die Wassertemperatur war ungewöhnlich warm für meine Erwartungen. Wenn wir und auch nicht in die Wellen schmeißen konnten, so konnte man dennoch angenehm schwimmen und das Wasser war so unglaublich klar, dass wir sehr sehr lange auch noch den Boden sehen konnten.

Kaum Wellen zu sehen
Auf dem Rückweg habe ich versucht mit in einem kleinen Bistro statt eines Fischbrötchens einfach ein Brötchen mit etwas Salat drin zu bestellen. Es hat nicht geklappt. Ich bekam einen kleinen Salatteller mit viel zu viel Dill und ein paar Scheiben Weißbrot dazu, während die anderen herzhaft in ihre Fischbrötchen bissen. Für die Rückfahrt hat es trotzdem meinen Magen einigermaßen befriedigt.

Salzwasser-Grüße
Lisi

Kediköy


Ich wohne schon seit einiger Zeit nicht mehr im Hostel, genau genommen seit zwei Wochen, deshalb wird es nun wirklich Zeit, dass ich euch von meinem Umzug berichte.

Der Schlafsaal im Hostel
Die ersten zwei Wochen meines Semesters in Istanbul hatte ich mich in einem 10er Schlafsaal in einem Hostel eingemietet. Es liegt in der Nähe des vermutlich allseits bekannten Taksim-Platzes. Da der Taksim-Platz sehr hoch gelegen ist, ging es für mich immer viel bergauf und -ab und weil es die beiden Wochen auch noch sehr sommerlich heiß war, half Deo auch nicht sonderlich viel.
Seit ich dann aber hier war und jeden Tag beinahe eine Stunde lang zur Uni fahren musste, weil ich ja auch noch auf der europäischen Seite wohnte, während meine Uni auf der asiatischen liegt, war schnell klar, dass ich auf jeden Fall auf die andere Seite muss, bevorzugt in den Stadtteil Kadiköy und am besten noch in die schöne Ecke der Moda Caddesi (Straße).
Nach einigen Wohnungsbesichtigungen, fand ich eine sehr schöne, absolut perfekt gelegene, in der Suzan ein Zimmer frei hatte. Wir verblieben so, dass sie mir abends Bescheid geben wollte und prompt bekam ich abends eine Mail, dass ich morgen einziehen könnte. Also hieß es am nächsten morgen Koffer packen.

Das Wohnzimmer/Suzans Zimmer
Die Küche
Das Badezimmer
Theresa holte mich nachmittags am Hostel ab, da mein Ziehkoffer nicht mehr ziehbar war, nachdem der Griff abgebrochen war und er doch sehr schwer zu tragen war. Ausgerechnet an dem Tag schüttete es natürlich auch noch, sodass der Weg vom Hostel zu meiner neuen Wohnung lang, nass und extrem anstrengend war. Mehr muss ich dazu nicht sagen.
Nun wohne ich mit Suzan (Türkin) und Melli (Deutsche) in einer kleinen Wohnung im zweiten Stock. Wir haben ein kleines Badezimmer, eine noch kleinere Küche – aber beides mit Fenster – ein Wohnzimmer, was aber auch gleichzeitig Suzans Schlafzimmer ist und deshalb wenig von Melli und mir genutzt wird, einen Flur und Mellis und mein Zimmer. Die Besonderheit an meinem Zimmer ist eine Art kleiner Wintergarten, in dem mein Schreibtisch steht. Von dort aus kann ich in den grünen Innenhof schauen und werde morgens vom Vogelgezwitscher geweckt. Perfekt um dem Stadtlärm und der Hektik mal zu entfliehen. Auch ein Zimmer für mich allein zu haben, trägt viel zu meinem Wohlbefinden bei.

Mein Zimmer
Mein Schreibtisch im "Wintergarten"
Die Moda Caddesi ist eine Straße mit vielen Cafés und Bars, kleinen und alternativen Läden. Und sie führt direkt hinunter in den Moda Park, wo man sich in grüner Umgebung schön an die Mittelmeerküste setzen kann. Kein Strand, aber trotzdem angenehme Meeresluft.
Der Stadtteil ist zudem übervölkert von Katzen. Sie sind überall. Ich glaube, dass es auch mehr Katzen als Einwohner hier gibt. Ich habe wahrscheinlich eine der wenigen Wohnungen gefunden, in denen noch keine Katze wohnt. Deshalb nenne ich Kadiköy auch in Gedanken liebevoll Kediköy, denn kedi ist das türkische Wort für Katze.

Kediler - werden an jeder Ecke fleißig gefüttert
Von hier aus bin ich in fünf Minuten am Hafen, falls ich mal wieder auf die europäische Seite fahren will, und in ca. 10 Minuten an der Bushaltestelle, wo die Busse zu meiner Uni abfahren. Dorthin brauche ich nun je nach Verkehrslage noch 30-45 Minuten.
Jetzt habe ich auch das Gefühl wirklich angekommen zu sein und auch länger zu bleiben, als die Touristen und Backpacker im Hostel, die alle nach maximal zwei Nächten wieder auszogen. Ich habe direkt unter meiner Wohnung einen Kiosk, eine Ecke weiter einen Gemüsehändler, drei Ecken weiter einen Supermarkt und dort gegenüber einen Bäcker. Somit habe ich hier alles, was ich brauche.

Der Blick, wenn ich zu meiner Wohnung gehe: Bosporus und Moschee
Heimische Grüße
Lisi

Mittwoch, 24. September 2014

Verhüllung

Letzte Woche Dienstag habe ich mit der Erasmus Gruppe meiner Uni hier einen Ausflug in den alten Stadtkern Istanbuls gemacht.
Zuerst war ich mit den anderen auf dem Grand Bazaar, den ich mir doch etwas anders vorgestellt hatte. Etwas ungeordneter und überfüllter, aber eigentlich reihten sich nur Geschäft an Geschäft und die Menschenmassen hielten sich Dienstagsvormittags auch noch angenehm in Grenzen.


Grand Bazaar
Sultanahmet von der Ayasofia aus


Danach sind wie zu den beiden größten Sehenswürdigkeiten der Stadt gefahren. Zuerst zur blauen Moschee oder auch Sultanahmet genannt. Um sie betreten zu dürfen, mussten sich die Männer, die zu kurze Hosen anhatten ein Tuch um die Beine wickeln und für Frauen gab es Ganzkörperkittel, wenn die Kleidung nicht angemessen war, zudem mussten wir auf jeden Fall alle ein Kopftuch tragen, auch das konnte geliehen werden, ich hatte aber mein eigenes mit.



Sultanahmet
Die Bemalung

Am Eingang mussten wir dann noch unsere Schuhe ausziehen und dann waren wir präpariert die riesige Moschee zu betreten. Von innen sah sie nicht ganz so groß aus, wie sie von außen schien, dennoch war sie beeindruckend. Jeder Zentimeter der großen Kuppeldecke war über und über mit Ornamenten bemalt und auch die kompletten Wände. Der Boden war mit weichem Teppich ausgelegt, der allerdings leicht nach Käsefüßen roch. Die Hälfte der Moschee war für Touristen gesperrt, sodass die Muslime noch ihr Gebet dort verrichten konnten. Nur die Männer natürlich. Für die muslimischen Frauen gab es einen kleinen durch einen Sichtschutz getrennten Bereich neben dem Touristeneingang, wo sie beten durften.


Gebetsbereich für Frauen

Anschließend waren wir noch in der Ayasofia, besser bekannt unter dem Namen Hagia Sophia. Ursprünglich eine Kirche, dann zu einer Moschee umgebaut und inzwischen nur noch ein Museum. Leider wurde die Hälfte innendrin durch ein Baugerüst verdeckt, was ein wenig die alte Stimmung schmälerte, dennoch war es beeindruckend auch hier die Bemalungen, die überall zu sehen waren, zu betrachten. Dort konnte man auch noch auf die Empore gehen und den Blick von oben in den Kirchraum genießen.


Das Innere der Ayasofia
Ein Kirche/Moschee mit Elementen beider Religionen


Eigentartiges Gefühl alle Frauen verschleiert gesehen zu haben

Gläubige Grüße
Lisi