Mittwoch, 24. September 2014

Verhüllung

Letzte Woche Dienstag habe ich mit der Erasmus Gruppe meiner Uni hier einen Ausflug in den alten Stadtkern Istanbuls gemacht.
Zuerst war ich mit den anderen auf dem Grand Bazaar, den ich mir doch etwas anders vorgestellt hatte. Etwas ungeordneter und überfüllter, aber eigentlich reihten sich nur Geschäft an Geschäft und die Menschenmassen hielten sich Dienstagsvormittags auch noch angenehm in Grenzen.


Grand Bazaar
Sultanahmet von der Ayasofia aus


Danach sind wie zu den beiden größten Sehenswürdigkeiten der Stadt gefahren. Zuerst zur blauen Moschee oder auch Sultanahmet genannt. Um sie betreten zu dürfen, mussten sich die Männer, die zu kurze Hosen anhatten ein Tuch um die Beine wickeln und für Frauen gab es Ganzkörperkittel, wenn die Kleidung nicht angemessen war, zudem mussten wir auf jeden Fall alle ein Kopftuch tragen, auch das konnte geliehen werden, ich hatte aber mein eigenes mit.



Sultanahmet
Die Bemalung

Am Eingang mussten wir dann noch unsere Schuhe ausziehen und dann waren wir präpariert die riesige Moschee zu betreten. Von innen sah sie nicht ganz so groß aus, wie sie von außen schien, dennoch war sie beeindruckend. Jeder Zentimeter der großen Kuppeldecke war über und über mit Ornamenten bemalt und auch die kompletten Wände. Der Boden war mit weichem Teppich ausgelegt, der allerdings leicht nach Käsefüßen roch. Die Hälfte der Moschee war für Touristen gesperrt, sodass die Muslime noch ihr Gebet dort verrichten konnten. Nur die Männer natürlich. Für die muslimischen Frauen gab es einen kleinen durch einen Sichtschutz getrennten Bereich neben dem Touristeneingang, wo sie beten durften.


Gebetsbereich für Frauen

Anschließend waren wir noch in der Ayasofia, besser bekannt unter dem Namen Hagia Sophia. Ursprünglich eine Kirche, dann zu einer Moschee umgebaut und inzwischen nur noch ein Museum. Leider wurde die Hälfte innendrin durch ein Baugerüst verdeckt, was ein wenig die alte Stimmung schmälerte, dennoch war es beeindruckend auch hier die Bemalungen, die überall zu sehen waren, zu betrachten. Dort konnte man auch noch auf die Empore gehen und den Blick von oben in den Kirchraum genießen.


Das Innere der Ayasofia
Ein Kirche/Moschee mit Elementen beider Religionen


Eigentartiges Gefühl alle Frauen verschleiert gesehen zu haben

Gläubige Grüße
Lisi

Donnerstag, 18. September 2014

Bunt

Ich bin schon wieder lange im Rückstand mit dem Schreiben hier, deshalb nun noch von einem bunten Sonntag:
Theresa hatte etwas von einem Colour Run gehört. Keine Ahnung was das sein sollte, aber wir wussten Zeit und ungefähren Ort. Also haben wir uns nichtsahnend auf den Weg mit der Metro gemacht. Dort haben wir schon ein paar junge Leute in weißen Shirts mit dem richtigen Aufdruck gesehen, denen wir dann gefolgt sind, um auch zum richtigen Platz zu kommen. Auf dem Fußweg wurden es einfach immer und immer mehr Menschen in den T-Shirts und schließlich gelangten wir auf einen sehr sehr großen (Park-)platz wo vielleicht 2000 Leute in diesen T-Shirts herumwuselten. Wir waren doch etwas überrascht, dass das so groß war.

Einer der ersten Läufer
Dann erfuhren wir auch, dass es sich um eine Art Holi-Festival handelte. Das sind Aktionen, wo sich Menschen treffen und dann mit Farbpulver bewerfen. Bunt und lustig eben, wenn auch nicht sinnvoll. Der Colour Run war da noch etwas tiefgründiger, denn die Teilnehmer in den Shirts mussten einen 5 Kilometerlauf absolvieren und wurden an mehreren Stationen auf der Strecke dann mit Farbe beworfen.

Die letzte Farbstation hatte kein Erbarmen
Mund, Nase, Augen zu und durch

Zwei Rolli-Fahrer waren auch dabei
Nebenbei war auf der aufgebauten Bühne schon ein DJ am Stimmung machen und schließlich ging der Lauf los. Theresa und ich machten uns zur letzten Farbstation vor dem Ziel auf, damit wir ein bisschen zusehen konnten. Der erste Läufer kam uns schon bunt entgegen, bevor wir es dorthin geschafft hatten. Und dann kamen zuerst vereinzelte Läufer, schließlich ganze Gruppen und viele liefen auch nicht mehr, sondern gingen nur noch. Die Veranstalter waren auf jeden Fall fleißig dabei alle mit so viel Farbpulver wie möglich zu bedecken und machten auch irgendwann nicht mehr vor harmlosen Zuschauern wie Theresa und mir Halt. Auch nutzen sie nicht mehr die kleinen Flaschen mit Pulver, sondern schmissen einfach ganze Mülleimerdeckel voll mit Farbe in die Menge, sodass alle ordentlich eingestaubt waren.

Es artete langsam aus
Ziel-Party

Wir machten uns gemeinsam mit den letzten Läufern auf den Weg zum Ziel, wo alle anderen schon wieder in der prallen Mittagssonne zur Musik tanzten und sich weiterhin mit Farbe bewarfen. So konnten wir teilnehmen, ohne laufen und den damit verbundenen Prei von ungefähr 20€ zahlen zu müssen.
Liebe Grüße
Lisi


Montag, 15. September 2014

İstanbul büyük - Istanbul ist groß

Die Bürokratie ist soweit erst einmal erledigt. Meine Handynummer wird mir hoffentlich in den nächsten Tagen organisiert, damit ich mich mit den anderen Leuten hier einfacher kontakten kann und bis zum Termin im November für meine Aufenthaltsgenehmigung, habe ich vielleicht erstmal Pause damit.
Dafür ging am Wochenende dann das Erasmusprogramm los. Nachdem wir am Freitag die offizielle Willkommensveranstaltung mit allerlei Hinweisen hinter uns gebracht hatten, ging es am Samstag auf eine kleine Reise zu den Prinzeninseln, die südlich von Istanbul im Mittelmeer liegen. Nach einer recht langen Fährfahrt in praller Sonne, aber mit Unterhaltung von zum Beispiel einem Sparschälerverkäufer, gelangten wir auf die größte der Inseln Büyükada.  

Besser als Teleshopping


 Dort ist Autoverkehr verboten, dafür sind viele Menschen mit dem Fahrrad unterwegs und die meisten Touristen nehmen sich eine Pferdekutsche, die ihnen die steilen Auf- und Abstiege auf der bergigen Insel erleichtert. Wir gingen also zu Fuß. Sehr lange bergauf. Dann kamen wir schließlich an eine Art Parkeingang, an dem wir Eintritt bezahlen mussten und dann verbrachten wir sehr lange Zeit an der Steilküste damit auf das Essen zu warten, was offensichtlich noch eingekauft und dann gegrillt werden musste. An Vegetarier hatten sie im Vorfeld gar nicht gedacht, aber ich war nicht alleine und schließlich haben wir auch noch etwas zu Essen bekommen.


Typische Pferdekutsche




An der Küste, der Berg war steiler als er schien

Noch während wir den letzten Bissen kauten, rief eine der Organisatoren zum Aufbruch auf um auf die Bergspitze zu wandern, wo eine kleine Klosterkirche steht. Also hieß es schnell aufkauen, denn uns wurde gesagt, dass nicht nur die Kirche sehr schön sein sollte, sondern auch der Ausblick. Und tatsächlich, jeder Schweißtropfen hatte sich gelohnt, als wir freien Ausblick auf einen Horizont voller Istanbul hatten. Alles was man hinter dem Meer sehen konnte war die Stadt, in der ich nun lebe, und wir haben noch lange nicht alles gesehen, das was wir dort erblickten war nur ein kleiner Ausschnitt des asiatischen Teils Istanbuls. Es war jedenfalls atemberaubend.

Aussicht auf einen kleinen Teil Istanbuls

Ausblick auf das Mittelmeer und zwei weitere Prinzeninseln

Nach dem Abstieg taten uns die Beine und Füße ordentlich weh, sodass wir uns mit einem Eis belohnten, was hier in der Türkei wohl immer aus Ziegenmilch gemacht wird und dadurch ganz anders und sehr lecker schmeckt. Auf die Fähre zurück mussten wir leider sehr lange warten und im Hafen von Kadiköy angekommen, musste ich ja noch auf die europäische Seite zurück. Nur leider war meine letzte Fähre schon gefahren. Deshalb hieß es den Bus nehmen. Aykut (einer der Organisatoren) hat mich an die richtige Haltestelle gebracht und gewartet, bis ich im Bus saß, damit mir auch nichts passierte. Nach einer einstündigen Busfahrt - auch über die sehr sehr hohe Bosporusbrücke - konnte ich dann einfach am Taksim-Platz aussteigen und endlich im Hostel duschen und meine Beine hochlegen.

Typisches Haus auf der Büyükada


Bis bald
Lisi

Freitag, 12. September 2014

Finde die Moschee

Der Taksim-Platz
Ich bin angekommen, zumindest vorläufig. Vom Flughafen Atatürk hat mich Theresa abgeholt und zum Taksim-Platz begleitet, da sie sich nach einer Woche in Istanbul schon ganz gut mit dem Verkehr hier auskennt. Von dem berühmten Platz - der in unserer Vorstellung deutlich spannender aussah, als er es tatsächlich tut - gelangte ich dann mit dem Taxi zu meinem Hostel. Dort schlafe ich momentan in einem 10er-Schlafsaal mit wechselnden Bettnachbarn aber vor allem einer schönen Dachterrasse. Das Hostel heißt "Bella Vista", also "Schöne Aussicht", was man auf den ersten Blick am Tag vielleicht glauben mag, da rundherum größtenteils bröckelnder Putz und eingeworfene Fenster zu sehen sind. Aber bei Nacht kommt die schöne Aussicht zum Vorschein, denn wenn alles dunkel ist und man nur noch hunderte Lichter sieht, wird es doch sehr romantisch dort oben - zumindest wenn man von den Mücken absieht, die mich zu ihrem Lieblingsziel erkoren haben.

Neben Moscheen auch mal zu finden: Orthodoxe Kirchen

Mein Hostel ist auf der europäischen Seite, deshalb sieht mein momentaner Tagesablauf so aus: ich dusche angenehm kühl, weil es draußen schon 30°C zu werden scheinen und mache mich danach einen sehr sehr langen und steilen Weg hinauf zum Taksim-Platz, wonach ich schon wieder komplett durchgeschwitzt bin. Dort nehme ich dann die Tünel-Bahn, die unterirdisch, steil bergab zum Bosporus fährt. Bei einem netten älteren Herren kaufe ich dann irgendeine Art Milchbrötchenkringel, den ich zusammen mit einem çay (Schwarztee) auf der Fähre verspeise. Auf der asiatischen Seite angekommen, treffe ich mich dort mit Theresa und wir machen uns im Bus auf den Weg zur Marmara Üniversitesi, wo wir Montag anfangen werden zu studieren. 

Nächtlicher Blick von meiner Hostelterrasse

Doch momentan gibt es noch jede Menge Bürokratie zu erledigen. Ich bin momentan nur mit einem Touristenvisum im Land, was ja bekanntlich nach 90 Tage abläuft. Im November habe ich dann einen Termin bei der Ausländerpolizei, bei der ich eine Aufenthaltsgenehmigung beantragen werde. Dafür brauchte ich allerlei Dokumente, doch der Wisch, den ich von der Krankenkasse bekommen habe, reicht natürlich nicht. So waren wir gestern in einem großen Büro einer Versicherung um uns den Zettel durch den richtigen ersetzen zu lassen. Wir hatten Glück, dass dort eine Frau war, die zumindest einige Wörter Englisch konnte, denn sonst hätte ich meinen Ohren noch weniger getraut. Wir sind es inzwischen schon gewöhnt, dass wir häufig den Namen unserer Väter angeben müssen - warum, konnte uns noch keiner genau erklären - doch gestern wurde ich dann tatsächlich auch noch nach dem Namen meines Großvaters gefragt. Da war ich wirklich perplex. 
Einen weiteren Scherz, den sich die Türkei mit Ausländern erlaubt, ist, dass eine türkische SIM-Karte in einem nicht-türkischen Handy nur 15 Tage funktioniert und danach nicht mehr. Damit soll bezweckt werden, dass man entweder Geld für ein türkisches Handy ausgibt, oder den Versuch wagt sein ausländisches Handy registrieren zu lassen (natürlich gegen Geld) und hofft, dass das dann mit einer türkischen Karte funktioniert. Vielleicht finden wir das heute heraus.
Aber neben der Bürokratie - bei der Theresa und ich jedes kleinste Erfolgserlebnis feiern - ist Istanbul bisher eine wirklich berauschende Stadt. Sehr groß, ich bin nie allein, laut, hektisch und ich kann überraschend viele Gemeinsamkeiten mit Bolivien erkennen, was es mir bei manchen Sachen einfacher macht damit umzugehen.
Um noch kurz die Übrschrift zu erklären: Istanbul ist eine durchaus westliche Stadt, was natürlich nichts mit der Religion zu tun hat, weshalb es sehr viele Moscheen gibt und die Muezzine täglich mehrmals zum Gebet rufen. In der Skyline ist aber längst nicht an allen Stellen eine Moschee zu sehen, doch bei genauerem Hinsehen entdeckt man eigentlich immer einen Turm mit einem goldenen Halbmond auf der Spitze, was mich wieder daran erinnert, dass ich nicht in einer x-beliebigen Großstadt bin, sondern im pulsierenden Zentrum der Türkei.


Istiklal Caddesi - eine bekannte Einkaufsstraße

Das soll es auch erstmal gewesen sein. Gleich fahre ich wieder mit der Fähre über den Bosporus zur Uni, denn heute ist offizielles Willkommenstreffen für alle Erasmusstudenten dieses Semester - von denen übrigens der Großteil aus Deutschland kommt.

Bis bald
Eure Lisi

Montag, 8. September 2014

Chaos

Nun geht auch dieses Abenteuer los.
Zuerst endete mein viertes Semester an der Uni, dann arbeitete ich fünf Wochen lang mit sehr netten Kolleginnen in Braunschweig und dann war endlich die lang ersehnte Hochzeit von Medi und Marius.



Danach wollte ich eigentlich noch etwas für die Uni schaffen, doch irgendwie wollte sich mein Kopf darauf nicht mehr einlassen, sondern schwebte noch zwischen Nachfreude der Hochzeit und ängstlicher Erwartung auf den Beginn meines Auslandssemesters in Istanbul.
Heute Abend geht es endlich los und das ist auch gut so, denn sonst würde ich nur noch aufgeregter. Um mich herum stehen zu 90% gepackte Taschen und Koffer und ganz schön viel Zeug, dass ich noch wegsortieren muss, damit das Gästezimmer in meiner Abwesenheit wieder bewohnbar wird.

Viel mehr habe ich auch eigentlich nicht zu sagen. Um 22 Uhr Ortszeit werde ich heute am Atatürk Airport in Istanbul landen und von meiner Freundin und Kommilitonin Theresa abgeholt. Dann machen wir uns auf den Weg zu meinem Hostel, wo ich die ersten Wochen verbringen werde, bis ich eine Wohnung für den Rest des Semesters gefunden habe.

Damit verabschiede ich mich nun erstmal aus Deutschland und mache mich auf eine kleines Reise ins Unbekannte.
Hoşçakal! (Auf Wiedersehen)