| Der Taksim-Platz |
| Neben Moscheen auch mal zu finden: Orthodoxe Kirchen |
Mein Hostel ist auf der europäischen Seite, deshalb sieht mein momentaner Tagesablauf so aus: ich dusche angenehm kühl, weil es draußen schon 30°C zu werden scheinen und mache mich danach einen sehr sehr langen und steilen Weg hinauf zum Taksim-Platz, wonach ich schon wieder komplett durchgeschwitzt bin. Dort nehme ich dann die Tünel-Bahn, die unterirdisch, steil bergab zum Bosporus fährt. Bei einem netten älteren Herren kaufe ich dann irgendeine Art Milchbrötchenkringel, den ich zusammen mit einem çay (Schwarztee) auf der Fähre verspeise. Auf der asiatischen Seite angekommen, treffe ich mich dort mit Theresa und wir machen uns im Bus auf den Weg zur Marmara Üniversitesi, wo wir Montag anfangen werden zu studieren.
| Nächtlicher Blick von meiner Hostelterrasse |
Doch momentan gibt es noch jede Menge Bürokratie zu erledigen. Ich bin momentan nur mit einem Touristenvisum im Land, was ja bekanntlich nach 90 Tage abläuft. Im November habe ich dann einen Termin bei der Ausländerpolizei, bei der ich eine Aufenthaltsgenehmigung beantragen werde. Dafür brauchte ich allerlei Dokumente, doch der Wisch, den ich von der Krankenkasse bekommen habe, reicht natürlich nicht. So waren wir gestern in einem großen Büro einer Versicherung um uns den Zettel durch den richtigen ersetzen zu lassen. Wir hatten Glück, dass dort eine Frau war, die zumindest einige Wörter Englisch konnte, denn sonst hätte ich meinen Ohren noch weniger getraut. Wir sind es inzwischen schon gewöhnt, dass wir häufig den Namen unserer Väter angeben müssen - warum, konnte uns noch keiner genau erklären - doch gestern wurde ich dann tatsächlich auch noch nach dem Namen meines Großvaters gefragt. Da war ich wirklich perplex.
Einen weiteren Scherz, den sich die Türkei mit Ausländern erlaubt, ist, dass eine türkische SIM-Karte in einem nicht-türkischen Handy nur 15 Tage funktioniert und danach nicht mehr. Damit soll bezweckt werden, dass man entweder Geld für ein türkisches Handy ausgibt, oder den Versuch wagt sein ausländisches Handy registrieren zu lassen (natürlich gegen Geld) und hofft, dass das dann mit einer türkischen Karte funktioniert. Vielleicht finden wir das heute heraus.
Aber neben der Bürokratie - bei der Theresa und ich jedes kleinste Erfolgserlebnis feiern - ist Istanbul bisher eine wirklich berauschende Stadt. Sehr groß, ich bin nie allein, laut, hektisch und ich kann überraschend viele Gemeinsamkeiten mit Bolivien erkennen, was es mir bei manchen Sachen einfacher macht damit umzugehen.
Um noch kurz die Übrschrift zu erklären: Istanbul ist eine durchaus westliche Stadt, was natürlich nichts mit der Religion zu tun hat, weshalb es sehr viele Moscheen gibt und die Muezzine täglich mehrmals zum Gebet rufen. In der Skyline ist aber längst nicht an allen Stellen eine Moschee zu sehen, doch bei genauerem Hinsehen entdeckt man eigentlich immer einen Turm mit einem goldenen Halbmond auf der Spitze, was mich wieder daran erinnert, dass ich nicht in einer x-beliebigen Großstadt bin, sondern im pulsierenden Zentrum der Türkei.
| Istiklal Caddesi - eine bekannte Einkaufsstraße |
Das soll es auch erstmal gewesen sein. Gleich fahre ich wieder mit der Fähre über den Bosporus zur Uni, denn heute ist offizielles Willkommenstreffen für alle Erasmusstudenten dieses Semester - von denen übrigens der Großteil aus Deutschland kommt.
Bis bald
Eure Lisi
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